Arbeitsalltag in Deutschland: lange Arbeitszeiten, Stress und Überstunden


Die Agentur für Arbeit | CC-BY Tobias M. Eckrich

Plenarsaal

Plenarsaal | CC BY SA JesterWr

Wie lange arbeiten Menschen in Deutschland eigentlich?

Dies ist eine Fragestellung, die ein grelles Schlaglicht auf die Lebensqualität zahlreicher Beschäftigter wirft. Laut einer im Jahr 2005 veröffentlichten Analyse der statischen Daten aus 15 europäischen Staaten – initiiert von der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen- , zeigt sich, dass alle dokumentierten gesundheitlichen Beschwerden der Menschen umso ausgeprägter waren, je länger die wöchentliche Arbeitszeit andauerte [1].

Kein Problem, sollte man meinen, denn im Grunde liegt die Vermutung nahe, dass im Zuge zunehmender Digitalisierung die Arbeitszeit sinkt und die Lebensqualität durch den Freizeitgewinn steigt und zukünftig weiter steigen wird. In der Tat ist Wochenarbeitszeit seit dem Jahr 1950 von 48 Stunden grundsätzlich abgesunken. Doch kaum von der Öffentlichkeit bemerkt, ist sie in den letzten Jahren unter dem Schlagwort „Rücknahme der Arbeitszeitverkürzung“ – wieder deutlich angestiegen. Im Jahre 2014 arbeiteten Vollzeitbeschäftigte in Deutschland durchschnittlich 42 Stunden.

Die Tendenz hält an, denn laut einer Befragung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) erhöhte sich im Jahr die Arbeitszeit von einem Drittel der Berufstätigen auf 45 Stunden. Aber das ist noch nicht alles.

“Überdurchschnittlich häufig berichten Beschäftigte von Pausenkürzungen, dass sie für ihren Arbeitgeber ständig erreichbar sein müssen (55 Prozent), viele Überstunden machen (49 Prozent) und sehr lange Wochenarbeitszeiten aufweisen (48 Prozent)”, so dokumentierte der DGB die aktuelle Entwicklung.

Das reicht Arbeitgebern aber nicht. Sie halten den 10 Stunden Arbeitstag wieder für notwendig und fordern von ihren Beschäftigten noch mehr Flexibilität.

Bedenkt man, dass noch im Jahr 1983 Gewerkschaften die 35 Stunden Woche forderten, hat sich die Situation der Arbeitenden schleichend verschlechtert.

Maßgeblich sollte allerdings der Wunsch vieler Menschen sein, weniger zu arbeiten und flexibler zu sein. Dies verdeutlichte die Studie des DGB “Gute Arbeit 2014“ in der 5.800 Beschäftigte befragt wurden. Die Digitalisierung würde durchaus Chancen eröffnen, dies zu ermöglichen und entsprechende Freiräume zu schaffen.

Die Frage ist, warum es dem Gesetzgeber, der mit dem Mindestlohn erfolgreich zumindest im Ansatz eine Verbesserung für zahlreiche Menschen erzielte, diesbezüglich keine neuen gesetzlichen Regelungen ins Auge fast.

[1] Nachreiner, Janßen und Schomann, 2005. Zitiert nach: Eberhard Ulich: Arbeitspsychologie. vdf Hochschulverlag AG und Schäffer Poeschel Verlag, 6. Auflage 2005, ISBN 3-7281-2998-4, ISBN 3-7910-2442-6, S. 582

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Quelle: Piraten-Planet
Autor:

Datum: Sonntag, 5. Juni 2016 10:07

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