Betroffenheit und Wut – wie die Opfer von Brüssel missbraucht werden


CC BY-SA 2.0 onnola

CC BY 2.0 | Joannis Nicolas

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Der Sperling ist entsetzt und betroffen, er liest gerade das Netz und würde sich am liebsten betrinken. Brüssel hat sein Paris erlebt, viele Menschen sind gestorben, andere verletzt. Es ist furchtbar.

Auf der anderen Seite liest er unglaublich ermutigende Dinge von Hilfsbereitschaft, davon wie die Bürger ihre Wohnungen und ihre Herzen für die öffnen, die aufgrund der Umstände strandeten. Menschlichkeit im Zeichen des Schreckens.

Der Sperling ist aber auch wütend über die Unsensibilität, die sich auftut bei den “üblichen Verdächtigen”. Denn es kommt, wie es immer kommt: Schräge Vögel in der Regierung stellen auf Schnappatmung um. Es folgen, nach ein paar Lippenbekenntnissen zu Trauer und Betroffenheit, die üblichen Lügen Unterstellungen und Forderungen. Behauptungen der Art ‘das hätte man unmöglich machen können mit mehr Kameras und Überwachung aller’ oder ‘mit mehr Privilegien für die Krähen mit dem Schlapphut lässt sich so etwas verhindern’ oder ‘darum muss der Terror in Syrien bekämpft werden’. Oder was auch immer in die Mikrofone gesprochen wird, um uns schmackhaft zu machen, dass es doch besser wäre auf ein paar Bürgerrechte zu verzichten und die vertrauenswürdigen, ehrlichen Herren der Politik und die Krähen machen zu lassen.

Die Braunfinken schreien “Ja, und alle zu uns geflüchteten Tauben, darunter sind auch Falken die so was machen wollen!!11!!1” und wollen gleich alle abschieben – oder sie fordern Obergrenzen wenn sie nicht offen zeigen wollen, dass sie Braunfinken sind.

Dabei sind die Tauben genau vor denen geflüchtet, die anscheinend jetzt in Brüssel am Werk waren.

Die Hofberichterstatter schreiben, wie schlimm alles war, zählen die Toten und unterteilen sie in Deutsche, Frauen und Kinder. Man könnte fast meine, Nicht-Deutsche wären weniger wert/wichtig, oder auch Männer. Und, um das wenige das sie wissen zu kaschieren, zählen sie dann klitzeklein auf, wie viele Anschläge es in der Vergangenheit schon gab und mit wie vielen Toten jeweils zu beklagen waren. Selbstverständlich zählen dabei nur Opfer in Europa, mehr als zehntausend Tote durch Terror im Irak, Syrien, Libanon oder anderswo sind mal wieder kein Thema.

Die Ursachen, die die Terroristen zu den Taten getrieben haben, kommen auch nicht wirklich vor.

So werden die Opfer in Brüssel für die eigene Agenda oder den Profit missbraucht, man tritt damit auf sie und schämt sich nicht einmal. Und wundert sich dann, das sowohl der Politik als auch den Medien immer mehr Misstrauen entgegenschlägt. Und dass es schwer fällt, die Betroffenheit zu glauben – denn wer betroffen ist, fordert keine Einschränkung der Freiheiten aller oder hetzt gegen Geflüchtete.

Wer betroffen ist hält inne, denkt nach, und setzt sich für Frieden und Gerechtigkeit ein. Vielleicht geht er sogar die Ursachen an, wer weiß.

Die bunte Redaktionsschar ist, wie auch der Rest der Piraten, maximal betroffen und traurig über die Anschläge. Wir sind bestürzt über die grausamkeit der Täter und die Reaktionen einzelner, erlauben uns aber kein Urteil über Ursachen, Verursacher oder Handelnde. Zu verurteilen sind ihre Taten oder Worte, aber nicht ihr Sein als menschliches Wesen. Wir trauern.

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Quelle: Piraten-Planet
Autor:

Datum: Mittwoch, 23. März 2016 7:17

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