Die Förderunde oder Ebbe bei Fairness und journalistischer Qualität


Gerade zu Hause angekommen zurück aus dem Landtag muss schon etwas passiert sein, damit ich mich sofort an mein Blog setze, um es loszuwerden. Wovon will ich Euch berichten? Von der mit Abstand schlechtesten journalistischen Leistung, seitdem ich mit Journalisten zu tun habe. Die Rede ist von Thomas Borowski. Er ist der Moderator eines vom Grundkonzept her sehr guten Sendeformats des Offenen Kanals Kiel. Diese Sendung heißt „Förderunde„. Der Offene Kanal Kiel beschreibt den Sinn und Zweck der Veranstaltung so:

Immer dienstags vor einer Landtagssitzung produziert der Offene Kanal Kiel die „FördeRunde“. Moderator Thomas Borowski wählt zwei aktuelle Themen der nächsten Sitzung aus und diskutiert darüber mit je einer Abgeordneten oder einem Abgeordneten der im Landtag vertretenen Parteien.

Beginnen sollte die Aufzeichnung um 18:00 Uhr. Daraus wurde aber nichts, weil der Herr Borowski nicht da war. Der kam zu spät, so dass schon mal fünf Minuten der Sendezeit, die auf eine halbe Stunde pro Thema begrenzt ist, fehlten. Wie immer bekamen die anwesenden Abgeordneten am Anfang die Gelegenheit zu einem Eingangsstatement, das durch eine Frage des Herrn Borowksi eingeleitet wurde. Das Thema war ein Antrag der CDU-Fraktion zur Weiterleitung der 23 Millionen Euro aus dem ursprünglichen Betreuungsgeld an die Kommunen und Träger von Kindertagesstätten, damit deren Personal- und Infrastruktur verbessert werden kann. Über dieses Thema hatten wir bereits mehrfach im Landtag gesprochen. Dabei war es so, dass die Regierungskoalition bis zum Spätherbst eine ähnliche Auffassung wie die CDU hatte. Aber wie es eben so ist, wenn der Termin für die Neuwahl des Landtages in Rufweite für Wahlgeschenke kommt, holt man das Füllhorn heraus und „schenkt“ jeder Familie 100,- € für die Kita-Kosten. Als der Herr Borowski mir dann seine Frage stellte, erlebte ich ein Dejavú. „Was sagen eigentlich die Piraten dazu. Gefunden habe ich bei Ihnen dazu ja nichts.“ Dass wir gemeinsam mit der CDU hierzu einen Antrag gestellt haben, dass ich dazu bereits mehrfach im Landtag gesprochen habe (kann man im Informationssystem des Landtages anschauen und anhören) und das Thema mit Beiträgen von mir auch im Sozialausschuss behandelt haben, korrespondierte nun so gar nicht mit dem immer noch im Jahr 2009 gedanklich verhafteten Thoams Borowski. Oder hätte das möglicherweise einer intensiveren Recherche bedurft, als Herr Borowksi sie leisten kann bzw. will?

Meine Antwort auf diese dumme und unqualifizierte Frage war zunächst der Hinweis, mal an den richtigen Stellen zu suchen. Dann bin ich auf die tatsächlichen Defizite des Handelns der Regierungskoalition eingegangen. 100,- € für alle ist unnötige Gleichmacherei und wird von Gutverdienern nicht einmal richtig wahrgenommen. Laut Aussage der über den Verdacht der Regierungsunfreundlichkeit erhabenen GEW sind wir in Schleswig-Hosltein noch sehr weit weg von einer wirklich kindgerechten Betreuungsquote, die laut Bertelsmann-Studie bei knapp 1:4 im Krippenbereich und bei knapp 1:9 im Elementarbereich gesehen wird. Vor diesem Hintergrund habe das 100,- Euro-Geschenk als Kinokarte für einen schlechten Film in zumeist schlechten Kinos bezeichnet. Dafür habe ich nicht einmal eine Minute gebraucht. Fleming Meyer vom SSW kam mit ähnlich wenig Zeit aus. Aber, wir beide haben da ja auch noch geglaubt, dass der Moderatror der Förderunde, Herr Borowski, an einem fairen Diskussionsstil interessiert wäre. Das war dumm von uns. Die Damen von CDU, SPD und FDP entwickelten ein außerordentliches Sendebewusstsein mit dem entsprechenden Zeitbedarf. Herr Borowski ließ sie gewähren, mischte sich nicht ein und schwuppdiwupp war die geplante halbe Stunde vorbei.

Weil ich vor Jahren genau so etwas schon einmal mit dem Herrn Borowski erlebt habe, hatte ich seinerzeit bereits beschlossen, meine Zeit sinnvoller zu verbringen, als mich von diesem Herrn zum Obst machen zu lassen. Ich habe den Offenen Kanal Kiel wissen lassen, dass ich für die Förderunde nicht mehr zur Verfügung stehe. Unser damaliger Pressesprecher hat dann ein wenig zwischen uns vermittelt. Deshalb war ich dann doch noch einmal dort zu Gast und wurde wirklich anständig behandelt und traf auf einen wirklich gut und sorgfältig vorbereiteten Thomas Borowski, der sich erfolgreich um eine faire Redezeitverteilung bemüht hat. Aus dieser Erfahrung heraus habe ich meine Teilnahme für heute zugesagt. Das bereue ich jetzt.

Künftig und bis ans Ende meiner Tage werde ich an keiner Veranstaltung oder Fernsehaufzeichnung, an denen der Herr Borowksi beteiligt ist, teilnehmen. Das mag meinetwegen dumm wirken. Die Art und Weise des Herrn Borowski schadet uns und unserer politischen Idee so sehr, dass ein Verzicht auf irgendeine Präsenz im Offenen Kanal Kiel an dieser Stelle nützlicher ist. Es ist außerdem eine Frage der Selbstachtung.

Wie sich jemand mit dieser unterirdischen Performance ausgerechnet berufen fühlt, in Konflikten als Moderator aufzutreten, so wie es der Homepage des Herrn Borowski zu entnehmen ist, bleibt sein Geheimnis. Ihr könnt Euch die Nummer, die er heute abgezogen hat, gleich um 20:00 Uhr im Offenen Kanal Kiel anschauen. Die Wiederholung findet morgen um 21:00 Uhr an gleicher Stelle statt.

 

Quelle: Piraten-Planet
Autor:

Datum: Dienstag, 8. März 2016 19:50

Tags »