Ist der Troll Präsident geworden – oder ist er gar kein Troll?


The White House

Donald Trump | CC-BY-SA 2.0 Gage Skidmore

Donald Trump | CC-BY-SA 2.0 Gage Skidmore

„Jetzt ist der Irre Präsident geworden!“

So, oder zumindest sehr ähnlich, liest man das landauf landab im Netz. Und auch in der veröffentlichten Meinung ist das Urteil ähnlich, wenn auch nicht so erdig formuliert: Mit Donald Trump wäre ein unberechenbarer, lügender, populistischer, sich andauernd widersprechender Irrer zum mächtigsten Mann der Welt gewählt worden. In der Süddeutschen steht, dass er die politische Kultur durch seinen Aggressivpopulismus zerstört haben soll. Da fragt man sich doch, wie weit entfernt Donald Trump wirklich von den aktuellen Politikern ist.

Betrachten wir doch einmal deren Sprachgebrauch: Dort werden Verschlechterungen als Reformen verkauft, als Terrorist gilt auch jeder, der den eigenen Zielen im Wege steht (wer dienlich ist, gilt als gemäßigt oder Freiheitskämpfer), die Verbreitung von Demokratie ist genau genommen ein imperialistisches, geostrategisches Vorgehen und dauernd werden Versprechungen gemacht, die nicht eingehalten werden, schön verpackt in politischer Korrektheit. Unter der Schale des sogenannten “guten Umgangstons“ werden Unwahrheiten durch Weglassen oder schlichtes Leugnen der Fakten verbreitet und die faktische Politik ist nicht selten genauso menschenverachtend, anti-liberal, kriegslüstern und frauenfeindlich wie der neue US-Präsident zu sein vorgibt – oder ist.

Betrachten wir zu den Vorwurf der Unberechenbarkeit: Ist unsere Politik heute noch berechenbar? Wer rechnete denn mit dem Atomausstieg, der Öffnung der Grenzen für die Flüchtlinge, dem Abschaffen der Wehrpflicht durch die CDU? Wer sah die Hartz IV Gesetzgebung voraus, die Steuerprivilegien für Unternehmen, die Subvention der Industrie/Besserverdienenden durch die sogenannte Ökosteuer und nicht zuletzt den völkerrechtswidrigen Einsatz im Kosovo durch Rot/Grün kommen? Jeder, der eine dieser Begebenheiten ein Jahr im Vorfeld prognostiziert hätte, wäre ein Kandidat für eine nicht wörtliche Zwangsjacke gewesen.

Nun gut, die Umgangsformen: Benimm hat der Mann nicht, das ist deutlich, zudem hat er nicht immer die Kontrolle über seine Äußerungen. Andererseits dürfte es ihm schwer fallen, einem “immerzu ins Gesicht zu lächeln, obwohl er ein Bube ist”. Damit ist er, genau genommen, berechenbarer als die immer glatten, feinzüngigen, um jedes Wort feilenden Politiker die wir sonst gewohnt sind. Man weiß zumindest, woran man ist – auch wenn es einem nicht gefällt was man sieht.

Dann wären da noch die widersprechenden Äußerungen: Auch wir kennen diesen Typ Politiker, nicht nur Gestalten wie Haider oder Boris Johnson, auch Leute wie Guttenberg, Gabriel und Seehofer sind dafür bekannt, dass sie ihr „Geschwätz von gestern“ öfter einmal nicht mehr interessiert – allerdings nicht in der Vehemenz und Kadenz eines Donald Trump. So gesehen: Im Westen nichts Neues.

The Don | CC-BY-SA 2.0 DonkeyHotey

The Don | CC-BY-SA 2.0 DonkeyHotey

Wenn er nicht Realität wäre, so wäre Donald Trump eine vollkommen überzeichnete Karikatur der aktuellen politischen Klasse. Nur eben ohne politisch korrekte Maske, brutal populistisch, gnadenlos pragmatisch (zumindest wenn es um das Einwerben von Wählerstimmen geht) und nicht berechenbar. Was man dabei nicht vergessen darf: Sein Blickwinkel ist, beinahe schon klischeehaft US-amerikanisch, auf das eigene Land und dessen Wohlergehen fokussiert. Dass der Rest des Planeten dabei vielleicht vor die Hunde geht, das interessiert ihn wohl nicht wirklich.

Selbstverständlich ist es möglich, dass der Mann tatsächlich ein durchgeknallter Geistesgestörter mit dem Finger auf dem Auslöser für “die Bombe“ ist. In dem Fall könnt ihr alle schon mal euer Testament schreiben, wir haben/hatten zwar solche Gestalten auch in anderen Ländern an der Macht, aber diese Irren hatten nicht „die Bombe“.

Wie auch immer: Ein Präsident Trump wird, aller Voraussicht nach, nicht derselbe Donald Trump sein, der er im Wahlkampf war – ansonsten wäre er ja ein komplette Hohlbirne. Er wird vermutlich die Maske der politischen Korrektheit aufsetzen und hoffentlich nicht der bisherigen Maxime der US-amerikanischen Außenpolitik folgen, die sich seit George W. Bush wie ein Handwerker benimmt, der nur einen Hammer hat und in jedem Problem einen Nagel sieht.

Zumindest ein Vorteil gegenüber einer Präsidentin Clinton, auch wenn man beim Rest seiner vorgeblichen Pläne eher das kalte Grausen bekommt – vor allem beim Klimaschutz.

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Quelle: Flaschenpost
Autor:

Datum: Freitag, 11. November 2016 8:00