Was uns Nizza aufzeigt


France and EU-flag | CC BY-SA 2.0 | Sebastian Fuss

Predator Drohne mit Hellfire Rakete | Public Domain (by Lance Mans)

Predator Drohne mit Hellfire Rakete | Public Domain (by Lance Mans)

Wie breit in den Medien berichtet, gab es in Nizza mindestens 84 Tote bei einer Amokfahrt eines LKW auf einer Flaniermeile. Aktuell (15.7.16, 22:51) sieht alles danach aus, dass es gezielter Mord war, begangen von einem Franzosen Tunesier. Es wird sich dabei um einen politisch-religiös motivierten Täter in der Nachfolge der Attentate von Paris gehandelt haben – es weisen viele Indizien daraufhin, unter anderem wohl Schusswaffen und Granaten im Fahrzeug. Wir müssen wohl davon ausgehen, dass es eine, von offiziellen Seiten als Terror bezeichnete, Kriegshandlung im Kontext der Kriege im Nahen und Mittleren Osten gewesen ist. Abscheulich.

Das Ziel der Täter

Die Taktik der Täter offenkundig: Sie wollen uns zeigen, dass keine digitale Vollüberwachung, kein Ausnahmezustand, keine flächendeckende Telefonüberwachung, keine Militäreinsatz im Inneren, keine erhöhten Sicherheitsmaßnahmen und keine markigen Worte in einer offenen Gesellschaft Sicherheit herstellen können. Sie wollen uns klarmachen, dass wir verwundbar sind, dass wir ohne Vorwarnung sterben können – genau so wie die Opfer der Drohnen und Bomben im Krieg.

Die Ursachen des Terrors

Die Ursache für die Kriege sind nicht der IS/Daesch, es sind nicht Al-Quaida oder andere Gruppen. Der Grund für den Terror in den westlichen Demokratien und gegen dessen Bürger im Ausland liegt primär im geostrategischen Machtanspruch der politischen und wirtschaftlichen “Eliten” in unseren westlichen Demokratien. Seit dem Beginn der Kolonialisierung in Arabien und Ostasien brodelt es bei den Unzufriedenen, potenziert wurde alles  durch die Kriege in Syrien, Afghanistan, Irak, Jemen und so weiter.

Dieser Machtanspruch ist begründet durch das Bedürfnis, auf dieser Welt, wo immer es geht, Rohstoffe für den geringst möglichen Preis zu erhalten und dabei politische Macht auszuüben – koste es, was es wolle. Die größten Schlächter, die schlimmsten Diktatoren und eine Vielzahl autokratischer oder monarchischer Unterdrücker wurden und werden hofiert, gehätschelt und geschmiert; Hauptsache die Kasse stimmt und die Preise zu Hause bleiben niedrig, andernfalls könnte man ja eine “Wahl” verlieren.

Der Terror ist nicht mehr, aber auch nicht weniger ein Arm des Krieges der in unsere Mitte reicht.

Unsere Verantwortung als Bürger

Genau genommen handeln “unsere” Regierungen im Sinne der “Wirtschaft” und – erweitert – auch im Sinne des  kleinen, amoralischen Konsumenten, der in uns allen steckt. Denn “die Wirtschaft” will vor allem Gewinne machen, dies kann sie aber nur, wenn sie konkurrenzfähig ist und dazu bedarf es geringerer Kosten – sonst kauft der egoistische Konsument in uns nicht – das ist nun mal ein Fakt, der zu selten erwähnt wird.

Was tun um die Situation zu entschärfen?

Das ist schwer zu sagen, denn in einer komplexen Welt gibt es keine einfachen Lösungen. Terror kann man nicht mit Krieg ausmerzen – der Krieg wäre das erste, was zu beenden wäre. Wenn wir die Ausbeutung der Armen beenden und darauf verzichten würden, Mörder und Autokraten zu unterstützen, so wäre das schon mal ein Anfang.

Den Leuten mit den einfachen Lösungen fehlt oft der Weitblick, seien es die “antiimperialistische Kampfgruppen” in der Nachfolge der roten Mörder oder auch die “nationalistischen Genossen” in der Nachfolge der braunen Mörder. Deren Rezepte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, als die Industrialisierung die Welt nach und nach veränderte, sind genauso veraltet wie Ihre Untaten abscheulich sind.

Wir stehen aber vor dem schnellsten und wohl auch massivsten, parallelen Umbruch von Gesellschaft, Wirtschaft und Demokratie durch die Informationstechnologie. Hier bedarf es neuer Ideen, neuer Strategien und eine Rückbesinnung auf grundlegende Werte “sozialen Miteinanders” – nicht nur in der Politik und der “Wirtschaft”, auch der enthemmte Ton im “Netz” oder unser Umgang mit den Schwachen/Alten/Asylsuchenden ist ein Symptom für eine Gesellschaft, die in ihrem Kern krank ist.

Der Terror ist nur ein Symptom, und im Vergleich zu den Toten in Irak, Afghanistan, Syrien etc. sind wir kaum betroffen. Aber er ist eine willkommene Ablenkung von den großen Fragen unserer Zeit.

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Quelle: Piraten-Planet
Autor:

Datum: Freitag, 15. Juli 2016 21:51

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